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Kettenhemd. Lederwams. Hier, der rote Mantel von deinem Vater. Drunter Angora, du zitterst. Deine Haare, man könnte dich an ihnen erkennen, nimm die Perücke, Grün steht dir, sie ahnen nicht dass du es bist. Kein Schwert. Wir schlagen uns durch.

© hertz

Wann dann

Heiligabend sterben
sollte nicht sein,
auch die drei Tage
vorher nicht.
Man hat schon alles
und nun das.
Verschieben also –
löst einen Stau aus.
Vorweg vielleicht,
aber wer will das schon,
höchstens ein paar
Freiwillige.

Mir würde es nichts ausmachen
nach Flugente mit Orangenlikör,
passender Musik, was von Bach,
etwa „Jauchzet, frohlocket“,
in Ordnung, und dann.

Die werden weinen.

© hertz

To go

Uranus zum Beispiel
verbringt Jahre
im selben Sternbild.
Das könnte ich nicht.
Es soll nicht
so lange dauern.
Lange ist zu spät.

Es könnte Gott weiß
was passieren.
Die Kurse könnten fallen.
Die Kurse könnten steigen.
Die Regierung könnte gehen.
Die Regierung könnte bleiben.
Die Liebe könnte kommen.
Die Liebe könnte gehen.

Ich buche premium.
Ich buche overnight.
Ich buche rapido.
Ich nehme expresso.
Ich nehme den Pappbecher.

© hertz

Doch

Die ihr hinschaut,
es ist kein Gedicht.

Wer dies liest
liest einen Mann
verlegen des Nachts
vom Morgengrauen getrieben
überstanden den Tag
zur blauen Stunde endlich
nicht viel Neues
im Ersten
und Zweiten
Mann wehrt sich
also doch
ein Gedicht

Ich bin’s.

© hertz

Blues mit Keksen

Meine Wintermalerin liebt
verhangene Himmel,
traurige Krähen,
Körper in Nebeln,
vereinen sich zu weiß Gott was,
Barrikade oder Liebe.

Lagunen und Palmen –
da spreizt sich ihr Pinsel,
um Sonnenuntergänge
bittet ihr vergeblich.

Aber Kekse kann sie,
das sage ich euch,
zum Niederknien.

© hertz

O du

Drache ohne Reiter,
Kutsche ohne Prinzessin.
Ketten schwingen
im Wind.
Sie nehmen eine Punsch,
dann sagt der Zollstockmann,
mindestens zweisechzig
für die Rettungsgasse.
Die Lebkuchenfrau
zieht den Schal enger.
Der Tannenbaum
vom Tieflader
stellt sich vor
eine Maria mit Kind.
© hertz

Kann nicht

Ich kann keine Flüchtlinge.
Und ein Dichter sollte doch.
Ich kann kaum Kirchenchor,
gerade noch alte Freunde,
meine Briefträgerin geht noch.
Nachbarn verschieden.
Katzen meistens.
Ab und an Kinder,
nicht alle, die ich habe.
Frauen – eine.
Ich kann Karibik,
wenn man mich hinfliegt,
Kenia oder Kanaren,
viele andere Länder,
wo es sich reimt
oder auch nicht.
Ich kann keine Flüchtlinge.

© hertz

 

 

 

Menschenpark

Alle aus Stein.
Die Frau ohne Kopf und Arme,
keine Beine, nur Stümpfe.
Torso des Seins,
steht auf dem Schild.
Da drüben, die ist intakt,
voll nackt, Kopf gesenkt,
Kind über der Schulter.
In roter Farbe hat jemand
ihr ein Hüfttuch angemalt,
wie bei Jesus in der Kirche.

Gehen wir zu den Männern.
Zum Beispiel Ikarus
mit freiem Unterleib
und Engelsflügeln.
Es folgt ein Junge,
barfuß im Handstand,
ein Bein ist verkümmert.
Zu allerletzt ein Krieger,
70 /71, marschiert
seit Jahrzehnten
auf seinem Sockel
in voller Montur.

Der Kopf des Stifters
ist aus rotem Granit,
tiefe Schläfengrube,
der Schädel poliert.
Er lächelt.

© hertz

Unter’m Falschmond

In Timbuktu
eine Sandburg bauen
mit seinen Kindern
und zugucken,
wie sie flüchten.
Vier Länder weiter
hängt sogar
der Mond verkehrt.
Viele nehmen jetzt
eine andere Route,
sagt der Kamelführer.

© hertz

Millimeterarbeit

Pullover, Hemd, Tanktop,
elf Millimeter Baumwolle.
Ausziehen.
Unten auch.
Nur langsamer.
Man kennt sich.
Bräunungen und Rötungen
schwarze Punkte,
blaue Besenreiser,
Narben und Einstiche,
Falten wie Gebete.
Meine klunschige Unschuld.

Komm.

 

© hertz

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