Liliencron

Detlev von Liliencron lebte Ende des 19.Jahrhunderts in Schleswig-Holstein. Von 1883 bis 1885 war er Kirchspielvogt in Kellinghusen (Holstein). Geldmangel und Frauengeschichten prägten sein Leben – nicht nur an diesem Ort.

Störkathen ist eine kleine Heidelandschaft unweit von Kellinghusen, die der Dichter gerne aufsuchte. Ein ruhiger Ort, durch den auch Autor schon manchmal geschlendert ist. Vielleicht entstand hier eines von Liliencrons Gedichten, das er der Kieler Zeitung zum Abdruck vorlegte – dort aber bedauerte man.

Der Volontär bei der Kieler Zeitung und angehende Dichter Johannes Kruse bedauert, dass das von Liliencron eingesandte Gedicht Persisches Liebeslied nicht abgedruckt werden kann, da es zu erotisch sei. Das Werk selbst ist aber nicht daran schuld. Vielmehr sei die Redaktion gezwungen, auf das Publikum Rücksicht zu nehmen. „Mancher Backfisch u. rührselige alte Jungfer ist darunter, und zwar nicht nur vom weiblichen Geschlechte. […] Anständige rote Grütze und fromme unschuldige Milch‚ das ist es, was ein ansehnlicher Teil von unsern Lesern verlangt.“

Persisches Liebeslied

Deine dunklen Augenbrauen
Sind zwei sanfte Pfortenbogen;
Eines lichtwechselnden Gartens Eingang
Haben sie zierlich überzogen.

Aber viel schwarze Wimpernspeere,
Die rings ihn, ein reizender Wall, umschmücken,
Setzen sich trotzig gradaus mir entgegen,
Trag ich Verlangen, dort Rosen zu pflücken.

Heut, als meine Liebe glühte,
Ließest du mich nicht länger warten,
Und durch die sanften Bogenpforten
Fand ich den Weg in den Märchengarten.

Die Stunde war still, die Menschen gingen
Vorüber und konnten uns nicht entdecken;
Wir saßen vom Fenster weitab in der Halle,
Sie konnten so hoch nicht die Hälse recken.

Und ungestört, eine selige Stunde,
Durft ich im Paradiese weilen
Und Rosen pflücken, so viel ich wollte;
Ich glaube, wir pflücklen zu gleichen Teilen.

Inzwischen sanken die Wimpernspeere
Wie Fahnen, besiegt auf erstürmtem Hügel,
Und lagen geschlossen in süßer Ermüdung,
Wie des ermatteten Schmetterlings Flügel.

Störkathen

Ja, hier lustwandelt‘ einst der Dichter,
den Geist, die Seele auszulüften,
man sagt, sein Vers sei oft ein schlichter,
versinkt so gern in Frauen-, Cron-
und adlig-feinen Liliendüften.

Ein Heidestein trägt seinen Namen,
es gibt bloß schwarze Kiefern, Schnucken,
nicht reizen Liebesmelodramen,
kein flimmergrünes Augenpaar,
ganz ohne keusches Miederzucken.

Das bringt uns kaum was, Allerliebste,
die Luft, sie beißt, Novemberkühle,
da gehn wir besser aufs Rapidste
den sel’gen Detlev heiß verehr’n
in unsre eignen warmen Pfühle.

© hertz

Blau

Niemandsland
bewacht von grauen Wäschepfählen
und vierunddreißig Augenpaaren
hinter den Gardinen.

Die Probe
des Adepten:
Er hebt den Stab,
sagt lautlos
seinen Spruch,
ins Nichts
ritzt er Hyperbeln.

Wie schade, Blüten, Blüten, Blüten.
Zwar diesmal alles blau in blau –
Vergissmeinnicht und Männertreu,
Verbenen, Bleiwurz, Blaue Lieschen,
ein Meer von Blüten strömt herbei.
Wer macht das nachher wieder weg?
Aus offenen Türen jubeln Kinder,
ein Paar umarmt sich neu verliebt.

Der Meister der Novizen sieht‘s
in seinem blinden Spiegel, seufzt:
Schon wieder einer,
der bloß Blumen kann.

© hertz

Tierpark-Dating

Treffpunkt Zicklein Schleckmich.

Hand in Hand zu den Wölfen.
Eine Junge mit Headset
greift sich was aus dem Eimer,
rote Fleischklümpchen fliegen.

Mir wird speiübel. Lieber
wo die Blesskälber wohnen.
Lutschen einem die Finger
so nass. Füttern, ja bitte.

Später futtern wir Pommes.

© hertz

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