Malibu

Wind umspielt zärtlich
die heißeste Sonnenbrille
von ganz Fielmann
auf ihrem Malibu-Surfbrett
jetzt und für den Rest
eines berauschenden Lebens
voller Sommerhits

Zack
Vorbei
Arschbombe

© hertz

Hundswache

Schnittige Dreimaster
spielen Schiffeversenken
im Hafenmuseum.
Man riecht
Kronprinzessin Cecilie,
sie qualmt nach Schnelldampfer Art.
Ein Melancholiker mit Sextant,
als Kapitän verkleidet,
mißt die Höhe zum Todessprung,
im Morgengrauen hängt
nur das Bild schief.
Die blonden Fischerjungs
schreien: Alle Stinte fliegen hoch!
Besucher gehen in Deckung.
Keiner da.

Die Glasenuhr schlägt neun,
zwei hautfarbene Akte
suchen ’ne Koje,
sie sind so schwarzweiß.

© hertz

Mann im Stau

Sudoku bloß im Kopf ist blöd,
die Walgesänge sollen mich entspannen,
hab ich schon zweimal durch – und nun?
Ich könnte alle roten Autos zähln,
die nebenan nach Norden fahrn.
Den Sprinter hinter mir, den lenkt ein Heinz,
im Spiegel les ich seinen Nam’n.
Und mache rasch von uns ein nettes Selfie,
der Heinz winkt artig wie Queen Mom,
das sehn gleich alle, die mich liken.

Ein Kurzhaarschnitt im Mini, apfelgrün,
guckt kurz, zieht dann auf meine Spur,
da blitzte doch ein blankes Dekolleté.
Mal schnell jetzt deine Nummer wähln,
ach nein, du bist ja schon im Yogakurs.
Ich werd mir einen runterholn,
mir ist so heiß. Der Wagen nebenan
wippt voll im Beat, man hört’s Gedröhn.

© hertz

 

Fünf-Uhr-Tee auf Hedwigslust

Urgroßmutters Sommer bauscht die Röcke prächtig,
Atlasfalten voller Erdbeer und Jasmin,
duftig süßen Vorspiels lockender Beginn.
Küss die Hand, voll Anstand kniet die Lust bedächtig.

Wilde Reben ranken sich um’s Pförtchen mächtig,
schelmisch scherzt ein praller Putto vor sich hin,
Rosenstöcke salutieren in Karmin.
Man beplaudert Herzensdinge, unverdächtig.

„Teezeit“, ruft man sie ins Haus hinein.
„Fräulein reichen Sie mir ihren Arm“,
knisternd schmiegt sich eilig Stoff an Stoff.

„Doktor, darf ich ihre Malve sein?“
Eins war hier schon längst des andern Schwarm,
täubchengleich es aus dem Herzen troff.

*

Man geht ins Haus, es glänzt die Wand aus Seide,
im goldnen Bilderrahmen Heilandsschäfchen,
begrasen allerfröhlichst Moor und Heide,
des Guten Hirten Hund im sel’gen Schläfchen.

Ein Pferdetrupp bereitet die Paneele.
Geschnitzt aus Wurzelholz des Sofas Wangen,
ein Ritter passte ‚rein mit Leib und Seele,
es fehlt‘ nur noch ’ne Jungfrau für’s Verlangen.

Zerknarrt wird jäh die Stille des Gemaches,
als man das Paar nun stumm zum Platze bringet,
es ächzt ein Stuhl, an Dübeln hier gebrach es.
Serviert wird Ceylon-Tee, Musik aufklinget.

Im Bild der Ahnherr schauet cool,
dieweil sie später Obstler trinken.
Die blassen Bräutchen wechseln wohl,
die Zwetschgen nicht. Er tut jetzt winken.

(Eine Phantasie nach Hedwig Courths-Mahler)

© hertz

Erlenfrau

Die Erlenfrau wispert zum Wasser
zwei Sternchen umtänzeln
den erblassenden Mond
werden zu Sternen
werden zu Sonnen
knallen heran
schaffen nicht das Brückchen
fall’n sie in die Hecke
fall’n sie in den Graben
kreisch’n die Krähen
über’m Sielzug

© hertz

Gülle, Gülle

Aus Schläuchen plätschert
das Zeug in die Anlagen.
Die städtischen Anlagen sind schon
abgesperrt, vorsichtshalber.
Die schwarzbunten Kühe traben
dieweil in die Fußgängerzone,
neugierig, ob ihre Bauern
die Sache mit der Kuhkacke
voll in den Griff kriegen.
Leute drücken sich eilig
in die Läden, das Personal
drückt die rote Notruftaste.
Die Securitas wird ausgemuht.
Ein paar Bullen besuchen
mal den netten Dönermann,
garantiert kein Schwein,
sie nehmen grünen Salat.
Alkluge Kälbchen hopsen
ganz allein in den Bus
zum Schlachthof.
Ein schöner Ausflug.
Güle, Güle.

© hertz

Baumkauf

Gleich friert man hier noch fest, ich will nen Baum,
von See her faucht der Schnee, nicht bloß Geriesel,
für‘s Personal gibt´s einen alten Diesel,
da sitzt‘s jetzt drin recht warm und sieht mich kaum.

Aussteigt dann doch ein Mensch mit schwarzem Flaum,
der zeigt herum, durchflitzt den Tann´ wie ´n Wiesel.
Die Zweige blinken matt voll eis´ger Kiesel,
im Vollfrost schmilzt mein Supertannentraum.

Man schaut sich hilflos um, schätzt Höhe, Breite,
im Flockenmeer schreit´s alle Meter: „Hier!”
Da ist ein schüchterner, der hübsch beschneite.

Kurzum, der lacht und lockt, den nehmen wir,
obwohl: hier hinten ist  ´ne kahle Seite.
Ik schiet darop, ik dor wat anmonteer.

© hertz

Kniepsand So

Nett

Mein Meerhaus ankert blau auf weißem Sand,
die Nummer vier gleich links vom Rippelfeld,
willkommen jedem, der sich zugesellt.
Der Weg führt geradeaus, ist unbenannt.

Die Flut verbeugt sich artig stets, galant,
macht höflich einen Bogen um das Zelt,
kommt nur bei Neumond heimlich vorgeschnellt,
leckt dann genüßlich an der Plastikwand.

Solch Lüste hält man endlos nicht im Zaum,
es schwillt und rollt bald gierig von Nordwest,
verleibt sich schließlich ein den Kindertraum.

November gibt dem Strandidyll den Rest.
Die Sommergründung schluckt der graue Schaum.
Zog um schon Wochen vor dem Martinsfest.

©hertz

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