Ade BeBe

Ich war drin
Ich war dran
Ganz dicht
streaming sei Dank
und immer lockt das Weib
habe ich noch gesehen
ehe es – man weiß ja nie
wo BB nicht mehr ist
und ihr letzter Tineff in Paris
unter den Hammer kam
ich hatte es versprochen
im letzten Gedicht
wollte sie noch sehen

Ich sah sie nicht
ich sah sie
die Bettlaken wehen
Juliette hebt
das Köpfchen,
die Schulterchen
die Brüstchen
die Nippelchen –
nee, falsch
die nicht

Aber wir Jungs
sahen alles,
Ehrenwort,
alles
und sooo groß
wir allein sahen
das lockende Weib
das schwöre ich euch
bei meinen acht Jahrzehnten
sie gehörte uns
für ein paar Minuten
unter der Laterne
ich gebe sie
niemals her

PS
Die DVD könnt ihr euch schenken

© hertz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

…. eine kleine Rolle auf der großen Bühne spielt auch der landpoet

Die andere Tafel

ES saugt.
Es sumpft.
Es suppt.
Es sifft.
Da kocht was hoch.
Da kocht was nass.
Für alle
Seggen,
Binsen,
Schilfe.
Sumpfzypressen,
Wasserdoste,
Mädesüße,
seien nicht vergessen.

 

 

 

 

 

Es rottet.
Es gammelt.
Es fault.
Es gast.
Ludergruben-Duft.
Tischlein deck dich,
Würmchen streckt sich
zum matschigen Menu
der Egel, Engerlinge,
Maden, Milben, Nematoden,
Pilze, Parasiten.

 

 

 

 

 

 

Schlemmende,
schmatzende
Schmarotzer,
Verdrängte,
Bekämpfte,
Geköderte,
Gespritzte,
Glyphosatierte.
Die ganze Gästeliste
vom Beipackzettel
der Giftdöschen
im Baumarkt.
Mahlzeit, denn.

Da lacht
der Kakerlak.

© hertz

 

 

 

 


Morgenweiß

Nebelstille.
In sich gehen.

Da weht ein Schleier
um die Briefkästen
rollt sich breit
in die Traufe
geistert stumm
vor allen Fenstern
guckt nicht rein
kennt schon alles
tut einem nichts

 

 

 

 

 

Du könntest raus
in heller Umarmung
mitfließen bloß
diese nassen Küsse
wenn die nicht wären

Nebelstille.

© hertz

 

Der alte Planet

Schütteln möchte sich
der alte Planet.
Er kann gar nicht
so viel kratzen
wie’s ihn juckt.
Andauernd klammern
oder krallen sie.
Gezecke.
Da holt man sich ja
ordentlich was weg.

 

 

 

 

Manches Mittel versucht,
vergebliche Mühe.
Sie sind immun
gegen Magnetstürme
und Sonneneruptionen.
Vulkane – wirkungslos,
stattdessen buchen sie
pauschale Schaulust
mit qualmenden Schuhsohlen.
Vielleicht sollte er öfter
mal nachheizen?
So ein, zwei Grad?

Seuchen, der Planet seufzt,
Seuchen haben geholfen,
vor langer Zeit, oh ja,
Pest und Cholera.
Aber jetzt spritzen sie sich
irgendwas in die Arme
oder in den Hintern –
und sind wieder fit.

Der Planet ist lange schon
auf seiner Umlaufbahn.
Wie viel hat gesehen!
Neulich erst diese Dino-Trampel,
ein Asteroid zum Glück
fegte sie weg, ratzfatz.
Und jetzt die hier.
Machen laute Geländespiele
mit dumpfem Knallen und Kollern,
Rummsen und feurigem Zischen.
Nicht alle, weiß der Planet.
Manche scheiden aus,
bevor ein Spiel durch ist.
Dieses Rum-Rummsen
juckt immer am schlimmsten.

Das ist zum Aus-der-Bahn-Fahren.
Der Planet hat nicht übel Lust,
doch mal ein bisschen
mit der Achse zu schlenkern,
wie letztens, dabei kam
prompt ne schöne Eiszeit rüber,
die erforschen sie immer noch.
Könnte man wieder machen,
grübelt er, so als kleines
Na-wird’s-bald.

© hertz

 

Unter sich

Treffen sich zwei Gefühle
in der U-Bahn.

Wie siehst Du denn aus?
– Total down.
??
– Dauernd wollen sie’s.
Was?
– Wissen sie eben nicht.
O Gott!
– Ich hau ab.
Wohin?
– In die Kindheit. Kommst Du mit?
Keine Zeit.
Mach gerade
das Sonnenkind.

© hertz

Erster September

Bach, Jazz und Klezmer
unterm Kreuzgewölbe
für den Frieden
die üblichen Klassiker
Brecht und Borchert,
Frau von Suttner
nicht zu vergessen.
Und Aischylos,
du alter Grieche,
du bist doch der
mit der Wahrheit.
Ich war wohl eingenickt.
Mmmmh.
Wie ging das noch
mit der Wahrheit
und dem Krieg?

© hertz

Whodunit

Morgens gucke ich erstmal,
ob die Welt noch da ist.
Die Nachbarin guckt nachts.

Sollte ich eines Morgens
nichts mehr vorfinden,
frage ich sie, wer’s war.

© hertz

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