Soweit

Dieses Mal
stehst du da
grabbelst
nach dem Smartphone
hilflos
stehst du da
was muss man
jetzt
hier
machen

nicht einmal ein Engel
der über jene Synapsen streift
die sich leeren
dich sänftigte
mit dem stummen Hauch
seines Flügels

© hertz
In Erinnerung an Nikolaus von Kues ( 625.Geburtstag )

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Morgenweiß

Nebelstille.
In sich gehen.

Da weht ein Schleier
um die Briefkästen
rollt sich breit
in die Traufe
geistert stumm
vor allen Fenstern
guckt nicht rein
kennt schon alles
tut einem nichts

 

 

 

 

 

Du könntest raus
in heller Umarmung
mitfließen bloß
diese nassen Küsse
wenn die nicht wären

Nebelstille.

© hertz

 

Der alte Planet

Schütteln möchte sich
der alte Planet.
Er kann gar nicht
so viel kratzen
wie’s ihn juckt.
Andauernd klammern
oder krallen sie.
Gezecke.
Da holt man sich ja
ordentlich was weg.

 

 

 

 

Manches Mittel versucht,
vergebliche Mühe.
Sie sind immun
gegen Magnetstürme
und Sonneneruptionen.
Vulkane – wirkungslos,
stattdessen buchen sie
pauschale Schaulust
mit qualmenden Schuhsohlen.
Vielleicht sollte er öfter
mal nachheizen?
So ein, zwei Grad?

Seuchen, der Planet seufzt,
Seuchen haben geholfen,
vor langer Zeit, oh ja,
Pest und Cholera.
Aber jetzt spritzen sie sich
irgendwas in die Arme
oder in den Hintern –
und sind wieder fit.

Der Planet ist lange schon
auf seiner Umlaufbahn.
Wie viel hat gesehen!
Neulich erst diese Dino-Trampel,
ein Asteroid zum Glück
fegte sie weg, ratzfatz.
Und jetzt die hier.
Machen laute Geländespiele
mit dumpfem Knallen und Kollern,
Rummsen und feurigem Zischen.
Nicht alle, weiß der Planet.
Manche scheiden aus,
bevor ein Spiel durch ist.
Dieses Rum-Rummsen
juckt immer am schlimmsten.

Das ist zum Aus-der-Bahn-Fahren.
Der Planet hat nicht übel Lust,
doch mal ein bisschen
mit der Achse zu schlenkern,
wie letztens, dabei kam
prompt ne schöne Eiszeit rüber,
die erforschen sie immer noch.
Könnte man wieder machen,
grübelt er, so als kleines
Na-wird’s-bald.

© hertz

 

Unter sich

Treffen sich zwei Gefühle
in der U-Bahn.

Wie siehst Du denn aus?
– Total down.
??
– Dauernd wollen sie’s.
Was?
– Wissen sie eben nicht.
O Gott!
– Ich hau ab.
Wohin?
– In die Kindheit. Kommst Du mit?
Keine Zeit.
Mach gerade
das Sonnenkind.

© hertz

Erster September

Bach, Jazz und Klezmer
unterm Kreuzgewölbe
für den Frieden
die üblichen Klassiker
Brecht und Borchert,
Frau von Suttner
nicht zu vergessen.
Und Aischylos,
du alter Grieche,
du bist doch der
mit der Wahrheit.
Ich war wohl eingenickt.
Mmmmh.
Wie ging das noch
mit der Wahrheit
und dem Krieg?

© hertz

Whodunit

Morgens gucke ich erstmal,
ob die Welt noch da ist.
Die Nachbarin guckt nachts.

Sollte ich eines Morgens
nichts mehr vorfinden,
frage ich sie, wer’s war.

© hertz

SO 2

Aus dem Paradies
höllischer Gestank,
schmeckt nach Klo.
Die Kinder rein,
die Masken auf,
das Fernsehn an.
Vorabendserie,
du lieber Gott,
gibt’s doch nicht,
wir holen uns noch
den Tod oder was.
Endlich. Ach so,
der Vulkan da hinten.
Wir wollten sowieso
wieder Costa del Sol.
Keine Sorge.

© hertz

Durch die Blume

In der Blume
ist Gott
am schönsten,
sagte mein Freund,
der alte Maler.
So prächtig
so empfindlich,
so fruchtbar.
Einmal machte er
für eine Kapelle
ein heiliges Bild
von Gott – aber
man sah ihn nicht
vor lauter Blüten
aus dem Farbkasten.
Das Gremium war
sich lange uneins.

© hertz

 

Wellen

Latino sage ich nur.
Schwupp ist die nächste
ans Land geschwappt.
Die Delta tanzten
wir gestern, ach Gott,
und heute die Lambda,
da geht noch was.
Erst nach der Omega
macht der DJ dicht.
Aufbrezeln,
di nägschte Angschtpaati,
avers met’n Gautest.

© hertz

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